Jugendinfo gegen Rechts


Funktion und Bedeutung rechtsextremer (Rock-)Musik

Was ist (Rechts-)Rock?

(Rechts-)Rock umfasst sämtliche Musikstile (wie Rock, Dark Wave, Black Metal, Balladen, LiedermacherInnen, Gabber,?), die dafür instrumentalisiert werden, rechtsextreme Ideologie zu transportieren. Entscheidend ist nicht die Musik als solche, sondern die Inhalte, die durch sie vermittelt werden.

 Rechtsextreme (Rock-)Musik als „Einstiegsdroge“:

 Der Konsum rechtsextremer Musik ermöglicht es, an rechtsextremen Inhalten teilzuhaben ohne persönlichen Kontakt zur Szene haben zu müssen oder ihr in Form einer Gruppenmitgliedschaft zugehörig zu sein. Bei diesem Prozess der „unverbindlichen Annäherung“ kommt dem Internet eine zentrale Rolle zu. Hier können sich „Neugierige“ verbotene und indizierte Musik downloaden, ohne sich reflektiert mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

 Regelmäßiger Konsum menschenfeindlicher Songtexte bedient und bestärkt Vorurteile und Hass gegenüber anderen Menschengruppen. Besonders das gemeinsame Hören rechtsextremer Musik in Verbindung mit Alkoholkonsum baut Hemmschwellen (weiter) ab und brutale Übergriffe auf andere Menschen sind nicht selten die Folge.

 Aber auch ohne Gewaltanwendung bleibt der dauerhafte und unreflektierte Konsum gefährlich, weil sich rechtsextreme Orientierungen möglicherweise verfestigen und zur Handlungsmaxime werden.

 Das (gemeinsame) Hören von (Rechts-)rock hat insbesondere bei Jugendlichen unterschiedliche Funktionen.

 Im Wesentlichen führt das Hören von rechtsextremer Musik (ebenso wie bei anderer Musik) zu emotionalen Assoziationen. Das heißt, durch die Musik und die Texte werden bestimmte Erfahrungen und Erinnerungen oder Wünsche, Hoffnungen und Ängste auf emotionaler Ebene angesprochen. Vielfach geht es darum „Gewinner zu sein – oder sich zumindest als solcher zu fühlen“, „Macht zu haben“ und „sich Stark zu fühlen“.

 Es bestärkt das Gemeinschaftsgefühl „Du bist nicht allein!“, „Wir werden immer mehr!“ und dient der Selbstvergewisserung „Wir sind im Recht!“.

 Dieses übersteigerte Selbstwertgefühl findet sich beispielhaft im Booklet der rechtsextremen Musikgruppe STAHLGEWITTER in dem es heißt:

 Alles was wir tun ist richtig, denn wir sind im Recht.

 Wir sind die Vollstrecker der schweigenden Mehrheit!

 Im Umkehrschluss ist dieses Zitat eine deutliche Aufforderung für alle Menschen, die sich als demokratisch und links verstehen, ihrem Widerstand eine Stimme zu geben und nicht als schweigende Mehrheit missverstanden zu werden.

(Rechts-)Rock bedeutet für viele Jugendliche auch Spaß und Action, beispielsweise beim Besuch von (verbotenen) Konzerten.

 Wie auf den CD’s oder als MP3 Format werden hier offen rechtsextreme Inhalte zu aggressiver Musik gespielt, wie etwa in dem Lied „Scheiß Punks“ der Gruppe KRAFTSCHLAG:

 Sein Kiefer zersplittert, durch die Doc’s Stahlkappe

 Jetzt noch nen Eiertritt und dann liegt er auf der Matte

 Er blutet aus dem Schädel und bewegt sich

 Da tret ich noch mal rein mit meinen 14Loch, mit meinen 14Loch

 Immer auf’n Kopf

 Ebenso finden Konzerte von LiedermacherInnen wie Annett Moeck statt, bei denen zu sanfter Gitarrenmusik die Zugehörigkeit zur NPD und der Aufopferungswille für Deutschland besungen werden:

 Ich gehör zur NPD, nicht weil man mich bestochen

 Auch hat mir keiner meinen Willen gebrochen…

 Ich geb alles für Dich mein Deutschland

 Wenn ich leb und wenn ich sterbe…

 Insbesondere die Musikstücke, die auf den ersten Blick bzw. beim ersten Hören nicht rechtsextrem erscheinen, finden sich auf den Gratis-Werbe-CDs der Rechtsextremen, um auch unentschlossene Jugendliche neugierig zu machen und für sich zu gewinnen.

 Hierzu die rechtsextreme Gruppe SLEIPNIR:

 Das System bescheißt uns alle und jeder ist gefragt

 Ob du Glatze hast oder nicht ist völlig scheißegal

 Wir haben nichts zu verlieren, zu gewinnen gibt’s genug

 Brecht die Mauern in euren Köpfen und hört uns richtig zu

  Ein Thema zieht sich durch zahlreiche rechtsextreme Musikstücke, nämlich das Beschwören der eigenen Opferrolle. „Wir Rechten dürfen nicht sagen was wir denken, ohne sofort bestraft zu werden!“, „Unser Deutschland wird überfremdet, wir Deutschen sind nur noch eine Minderheit!“.

 Das Beschwören der Opferrolle dient vor allem der (moralischen) Rechtfertigung der eigenen Gewaltanwendung. „Bevor ich Opfer werde, werde ich Täter!“ („Präventivschlag“).

  Böhse Onkelz

 Inwieweit ist die Band als rechtsradikal oder gar rechtsextrem einzustufen?

 Ich für meinen Teil halte die Band aufgrund ihrer mehrfach geäußerten Statements und Aktionen gegen Hass und Gewalt sowie aufgrund persönlicher Gespräche mit dem Bandbetreuer und dem Textschreiber der Band für keine Band, die dem rechtsextremen Spektrum zuzurechnen ist. Gleichwohl ist unbestritten, dass die Band in den Anfangsjahren zwei Lieder gespielt hat, die als rassistisch und nationalistisch einzustufen sind. Auch richtig ist, dass viele Jugendliche die Böhsen Onkelz im Bewusstsein verehren, dass es sich um eine rechte Band handelt.

 Ebenso unbestritten ist, dass insbesondere die NPD die Konzerte der Band genutzt hat, um gezielt Nachwuchs zu rekrutieren.

 Für eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Thema verweise ich auf meine Veröffentlichung „Hesse trifft Hesse – Eine Reise ins Universum der Persönlichkeit mit Hermann Hesse und Stephan Weidner“, Berlin 2005 (zu beziehen für 10,00€ plus Porto + Versand über www.jugendkulturen.de).

  Dazu ein Statement von Stephan Weidner (Texter, Sänger und Bassist) live in Leipzig auf der Abschiedstour „La Ultima“ im September 2004:

 „Mir ist gerade was eingefallen und zwar etwas, was mir ganz, ganz wichtig ist loszuwerden. Ich guck ja jeden Nachmittag, wenn wir aufwachen die Nachrichten. Und da seh’ ich  - ihr habt ja bald Landtagswahlen hier – dass die Wichser von der NPD schätzungsweise 9% der Stimmen bekommen können.

 Und dazu muss ich euch eins sagen, warum ich überhaupt drauf komme und überhaupt hier zum Thema mache ist das, dass die NPD dauernd versucht uns zu instrumentalisieren. Und ich will, dass ihr wisst, dass wir mit der NPD nichts am Hut haben und dass die Wichser uns verdammt noch mal am Arsch lecken können.

 Und euch kann ich nur empfehlen, wählt nicht aus Protest irgend so’n paar Arschgeigen, Leute. Das sind hinterwäldlerische Nazis, die kein Mensch braucht – ihr schon gar nicht“.

 (Quelle: Tourfilm: „La Ultima“, www.onkelz.de)

 Zahlen und Daten zum (Rechts-)Rock

 Im Jahr 2005 wurden die bisher höchsten Zahlen im Rechtsrock-Business gemessen. So fanden im letzten Jahr insgesamt 255 Konzerte im gesamten Bundesgebiet statt (2004 waren es 147). Konzerthochburgen sind weiterhin Sachsen, Bayern und Thüringen.

 Durch die Polizei verhindert werden konnten 2005 rund 25 im Jahr 2004 11 Konzerte.

 Die Anzahl der Konzertbesucher lag für 2005 zwischen 150 und 500 BesucherInnen, wobei zu berücksichtigen ist, dass viele Konzerte äußerst konspirativ geplant und durchgeführt wurden, so dass BesucherInnenzahlen ab 500 Personen beachtenswert sind.

  Insgesamt produzierten im Jahr 2005 125 (Rechts-)Rockbands 124 CDs (im Jahr 2004 waren es 106 Bands die 103 Tonträger einspielten).

 Die Auflagenzahlen der CD-Produktionen liegen bei 3000 Stück pro Veröffentlichung (Schwarzkopien sind nicht mitgerechnet).

 Eine Ausnahme bildet die von der NPD initiierte Wahlkampf-CD „Hier kommt der Schrecken aller Linken Spießer und Pauker“, diese erschien in einer Auflage von 200.000 Exemplaren.

 Das Verteilen und der Besitz dieser CD sind im Unterschied zur Schulhof CD „Anpassung ist Feigheit“ nicht strafbar. Grundsätzlich sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass er oder sie sich strafbar macht, wenn er / sie verbotene oder indizierte Tonträger illegal vervielfältigt und / oder verteilt. Dazu gehört auch schon das einfache Kopieren einer verbotenen oder indizierten CD für „MitschülerInnen“.

 Professionell werden rechtsextreme Tonträger u.a. über ca. 65 Versandhandel in Deutschland vertrieben (im Jahr 2004 waren 60 Versandhandel erfasst).

 (Quelle: Rundbrief des apabiz e.V., MONITOR Nr. 24, März 2006, www.apabiz.de)

 Weitere Informationen zum Thema (Rechts-)Rock sind auf der Seite www.turnitdown.de zu bekommen.

 Literatur:

 Christian Dornbusch / Jan Raabe (Hrsg.)

 

 

 

 Rechtsrock – Bestandsaufnahme und Gegenstrategien

 Hamburg 2002

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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